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Flirt I.

Du möchtest lieben, sagst du mir -
Ach nur ein einzig Mal
Ersehnst du diese Wonne dir
Mit ihrer Lust und Qual!

Ich soll den Zaubertrank dir leihn,
Wähnst du mit leichtem Sinn -
Je nun, mein Freund, ich sag nicht nein,
Doch - weißt du, wer ich bin?

Wenn angefacht mit keckem Mut
Ich hab' der Sinne Brand,
Dann - wärme ich an ihrer Glut
Nur meine kalte Hand.

Denn ich soll hart und grausam sein,
So hat man mich belehrt;
Doch - mich zu lieben, sei allein
Schon eines Lebens wert!

So sagen sie. - Nun kennst du mich,
Ich sagte nicht zu viel.
Willst du an mir versuchen dich -?
Mich lockt das kühne Spiel.

Vielleicht werd' ich dir dankbar sein,
Versuche unbeirrt!
Es sprühet Funken auch der Stein,
Wenn ihn der Stahl berührt.


Flirt II.

Klag nicht, ich kann dich nicht erhören,
Mich schreckt die Glut, die ich entfacht;
Ich wollte dich nicht so bethören,
Als ich getändelt und gelacht.

Wohl hast du von den Männern allen
Gar süß mein kaltes Herz berührt,
Wohl hat dein Werben mir gefallen
Und deine Jugend mich verführt.

Auch trafst du mich zu einer Stunde,
Da sehnsuchtschwer mein Herz und bang,
Wo mir die Lieb' aus deinem Munde
Verheißungsvoll entgegenklang.

Nun, wo ich meinen Sinn bezwungen
Und still und weise worden bin,
Mir kaum den Frieden hab' errungen,
Nun trittst du fordernd vor mich hin.

Lass ab! Mich füllen andere Welten,
Nach Höherem steht jetzt mein Sinn -
Du magst mich kalt und grausam schelten,
Wo ehrlich ich und mutig bin.


Flirt III.

Du hast mit kühnen Worten
Und Blicken entfacht meinen Sinn,
Dass ich betört und bezwungen
In den Arm dir gesunken bin.

Wir küssten uns lange, lange -
Süß war es und köstlich wohl!
Dann schrak ich empor aus den Küssen,
Wie war unser Treiben so toll!

Doch sank mein Wille - Ermüdet
Im grausamen Spiel mit der Lust,
Barg ich mich unter Tränen
Hingebend an deine Brust.

Und lag und weinte und bangte,
Hab' nach einem Wort nur gespäht -
Du wolltest nur Wünsche und Küsse,
Und mich hast du Kalter verschmäht!
 

Flirt IV.

Du liebst nicht, du willst nur betören,
Du willst mich schwach und bebend sehn -
Dann wirst du mir den Rücken kehren
Und wie ein Sieger von mir gehn.

Doch nimmer wird es dir gelingen -
Denn lockst die Sinne du allein
Und kannst die Seele nicht bezwingen,
So werde ich der Sieger sein.

.

Rosen

Ach, gestern hat er mir Rosen gebracht,
Sie haben geduftet die ganze Nacht,
Für ihn geworben, der meiner denkt -
Da hab' ich den Traum der Nacht ihm geschenkt.

Und heute geh' ich und lächle stumm,
Trag' seine Rosen mit mir herum
Und warte und lausche, und geht die Thür,
So zittert mein Herz: ach, käm er zu mir!

Und küsse die Rosen, die er gebracht,
Und gehe und suche den Traum der Nacht ...

 

Sieh mich nicht an

Sieh mich nicht an mit diesen Augen,
Sie dringen mir bis an das Mark,
Sieh mich nicht an mit diesen Augen,
Du siehst es doch, ich bin nicht stark.

Umschling mich nicht mit diesen Blicken,
Sie sind viel stärker als dein Arm,
Umschling mich nicht mit diesen Blicken,
Sie ziehn mich an dein Herz so warm.

Sprich nicht zu mir mit diesen Lippen,
Wie Wein so süss, so heiss, so rot,
Sprich nicht zu mir mit diesen Lippen,
Ich küss' dich dann, und wär's mein Tod.

Und wär's mein Tod, ich muss dich lieben,
Was hast du mir nur angethan?
Wohin hat mich dein Wunsch getrieben,
Du siegreicher, du starker Mann?

Geständnis

Fein bist du und jung, und die Lippen sind rot,
Und du fragst mich, warum ich dich liebe?
Ich tat nur, was dringend Natur mir gebot,
Und folgte dem köstlichen Triebe.

Und kommst du geschritten, und schaust du mich an,
So beb' ich vor Lust und Verlangen,
Und gehst du, du junger, du kraftschöner Mann,
So wein' ich vor Sehnen und Bangen.

So wand'' ich in steter, sich mehrender Pein,
Von Lieb' und von Reue getrieben -
Dein darf ich nicht werden und bin ja schon dein
Und finde so süß, dich zu lieben.

Umsonst

An deinem Herzen wollte ich ergründen
Die grosse Not, das Rätsel meines Lebens,
In deinen Armen jene Lösung finden,
Nach der die Seele lange rang vergebens.

Du hast im Sturm mich an dein Herz gerissen,
Du gabst mir lust- und schmerzenreiche Stunden,
Und eine neue Welt in deinen Küssen -
Doch jene Lösung hab' ich nicht gefunden.

Du, der den Frieden solltest mir bescheeren,
Du hast mir neue Rätsel aufgegeben, -
In neuen Zweifeln muss ich mich verzehren,
In neuem Kampfe wälzt sich hin mein Leben ...

Hilf mir

Du musst mich küssen, wie die Sonne glüht,
Hoch wie das Meer muss deine Liebe rauschen,
Wie Orgelbrausen durch die Kirche zieht,
Wie Glockenklang so stark und hehr zu lauschen.

Ich hab in dich mein ganzes Sein gesenkt,
Und wie die Erde musst du Kraft mir geben,
Zu tragen, was mir das Geschick verhängt,
In meiner eigenen Sonne Licht zu leben.

Dann findet mich der Spott der Menge nicht,
Dann lass sie schmähen und mein Thun verhöhnen -
Was ihres Alltags kalte Stimme spricht,
Soll unserer Liebe Jauchzen übertönen.
 

Warum

Wie jagt das Blut mir durch die Glieder
In süsser Pein!
Ich werf mich auf mein Lager nieder,
Ich bin allein.

Du stürmst dahin durch dunkle Strassen
In stummer Qual -
Warum hab' ich dich gehen lassen
Auch dieses Mal?

Warum hab ich dich nicht umschlungen
Mit festem Arm,
Als mich dein Blick so weh durchdrungen,
So voller Harm?

Denn ich bin dein, mit allen Sinnen
Gehör' ich dir;
Schickt' ich dich tausendmal von hinnen,
Du lebst in mir!

Schrei

Ich soll verzichten und entsagen
Und einsam sein,
Ich soll den Jammer in mir tragen
Und soll nicht schrein!

Soll gegen ein Gesetz nicht rasen,
Das uns jetzt trennt,
Beschwichtigen mit leeren Phrasen,
Was in mir brennt!

Und hören, wie sie's Sünde nennen
Und Unmoral,
Weil sie nicht unsern Himmel kennen -
Die Narren all!!
 

Bewilligung

Du schmiegtest dich zu meinen Füssen
Und sahst mir flehend ins Gesicht -
Ich musste deine Stirne küssen,
Die Stirne - weiter dacht ich nicht.

Da schlossest du die lieben Augen
Und bebtest wie in stiller Lust -
Ich küsste die geschlossnen Augen,
Da lag dein Kopf an meiner Brust.

So nah war mir dein Mund, der feine -
Ach, küsste, küsste ich ihn dann! ...
Mit diesem Kuss ward ich die deine,
So nahmst du mich, geliebter Mann!

Notwendigkeit

Wenn er mir schweigend liegt zu Füssen
Und jäh nach meinen Händen greift,
Und ach! mit sehnsuchtschweren Küssen
Mir meine kalten Finger streift,

Dann fühl ich langsam mich durchdrungen
Von jener wunderstarken Kraft,
Die mich in seinen Arm gezwungen
Und höchste Menschenwonne schafft.

Dann frag' ich nicht, ob Recht, ob Sünde -
So ist es und so muss es sein!
Und jubelnd, Liebster, ich dir künde:
Dein bin ich, dein und immer dein!

Schatten

Was war es nur? ...
Ich kann nicht lachen,
Auf meine Freude legt sich eine Hand,
Ein Blick, den ich einmal gekannt,
Hält mich zurück ...

Was war es nur? ...
Ein altes Lied klingt an mein Ohr,
Ein Kleinod, das ich einst verlor,
Es blinkt auf dunklem Grunde
Und harrt und winkt ...

Was war es nur? ...
Es kommt aus Nacht und Schweigen,
Ich sehe es aus allen Winkeln steigen
Und kommt und sieht mich klagend an -
Und hab' doch keinem eine Schuld gethan,
Als mir allein! ...

Was war es nur? ...
Es geht mit müdem Schritt,
Trägt schwere Last auf schwacher Schulter mit,
Trägt Weibeswunsch und Weibessehnen
Und Tränen ...

Was war es nur? ...
Es geht so scheu herum,
Gespenstergleich und kommt so still und stumm
Und kauert Nachts auf meinem Ehelager
Und wimmert leise ...

Was war es nur?
 

Mutter

Kind, als du klein warst,
Schien mir hart mein Loos -
Du gabst mir Schmerz,
Du drücktest meinen Schoss!

Nun, da du groß bist,
Wuchs mit dir mein Schmerz -
Mein großes Kind,
Wie drückst du mir das Herz!

Verklungen

Leise ist mein Schmerz verklungen,
Klagend hab' ich ihn gesungen
In die stille Nacht.

Düfte kamen süß gezogen,
Trugen ihn auf lichten Wogen
Durch die stille Nacht.

Zieht der Seele wohl entgegen,
Die ihn sucht auf seinen Wegen,
Sehnend, bis sie fand.

Und sie schweben eng umschlungen,
Von dem gleichen Weh durchdrungen,
Durch das stille Land ...

Forderung

Schwarz sollst du mich lieben,
weiß bin ich jedem lieb!
Russisches Sprichwort.

Musst du mich lieben,
Wirst du mich lieben,
Ward schwarz auch mein weißes Angesicht -
Zur Schönheit wurde gar Mancher getrieben,
Und kannte die wahre Liebe nicht.

Musst du mich küssen,
Wirst du mich küssen,
Wenn bleich auch die Lippen, mit langem Kuss -
Es mag die roten wohl Keiner missen,
Die bleichen küsst nur der Liebe Muss.

Bist du mein eigen,
Bleibst du mein eigen,
Was mir das Leben auch bringen mag -
Soll deiner Liebe Sonne sich zeigen,
Muss sie sich zeigen am dunklen Tag.

 

Winterwanderung

Verschneit der Weg,
Vom Wind verweht.
Wegweiser stehn und weisen,
Wo meine Strasse geht.
So still der Wald,
In weissen Schleiern
Still und kalt.
Schneeflocken wehen durch die Luft –
Kein Menschenlaut,
Kein Vogel ruft.
Der Schnee webt mir ein weißes Kleid,
Ich wandre still, ich wandre weit,
Mag keinen Weiser am Wege sehn,
Mag meine eigene Strasse gehn
Im weißen Winterfrieden.

Befreiung

Noch einmal reckt die Schuld ihr drohend Haupt
Und greift nach mir mit gierigen Rächerhänden,
Genug! du hast den Frieden mir geraubt,
Doch meinen Sieg sollst du mir nicht entwenden.

Ich hab gekostet vom Erkenntnisbaum,
Ich habe nackt vor meinem Gott gestanden;
Es sank die Lüge wie ein schwerer Traum,
Die Seele riss sich los aus ihren Banden.

Genug! mich treffen deine Blicke nicht,
Geheilt, vernarbt sind alle alten Wunden
Ich stehe in der Wahrheit reinem Licht,
Ich habe mich und meinen Grund gefunden.
 

Wach auf

Wehende Winde
Gehn über mich hin,
Wandernde Träume
Kreuzen den Sinn.
Ziehende Sehnsucht
Hemmt den Schritt,
Locket und winket:
Willst du nicht mit?
Wallen und wandern,
Weißt du wie einst?
Bist du so müde,
Liegst du und weinst?

Sonne stieg siegend
Aus Nebel und Nacht,
Fruchtende Erde
Ist froh erwacht.
Leuchtende Segel
Schmücken das Meer,
Schäumende Wellen
Wogen daher,
Raunen und rauschen
Ewigen Sang -
Bist du so müde,
Schläfst du so lang?

Lauschige Lauben
Im Dämmerlicht
Warten und schweigen -
Siehst du sie nicht?
Glühende Rosen
Blühen zum Kranz,
Jubelnde Geigen,
Klingen zum Tanz,
Lachende Lieder
Schlummern im Wein -
Kannst du nicht singen,
Bist du allein?

Alles muss kommen,
Alles muss gehn -
Kannst du's nicht zwingen,
Muss es geschehn!
Siegendes Leben
Geht seinen Lauf,
Einsame Throne
Hält es nicht auf!
Heb die verweinten
Augen zum Licht -
Lebe dein Leben
Fürchte es nicht!
 

Je t'aime

“Je t'aime” - in den Baum geschrieben
Hat seine Hand mit keckem Scherz;
Kennt er denn nicht das Wörtchen “lieben”?
Doch süß erschrocken steht ihr Herz.

“Je t'aime” - in das Mark gezwungen
Hat er's dem Baum im tiefen Wald;
“Ich liebe dich” hat sie gesungen,
Dass es im Walde wiederhallt.

“Je t'aime” - kann sie doch nicht singen,
Denn gar zu fremd ist ihr das Wort;
“Ich liebe dich!” so wird es klingen
In ihrem Herzen fort und fort.

“Je t'aime” - wo ist der Freund geblieben?
Das fremde Glück entwich so bald!
Er kannte nicht das Wörtchen “lieben”,
Und weinend geht sie durch den Wald ...

 

 

Sehnsucht

So still und heiss ist die Sommernacht,
Da bin ich jäh aus dem Schlaf erwacht,
Am Fenster duften die Linden -
Die Sehnsucht sitzt auf des Bettes Rand
Und winkt und winkt mit verstohlener Hand,
Und ich kann keinen Schlaf mehr finden.

Von fernher das Meer herüberrauscht,
Es zittert mein banges Herz und lauscht,
Kann nimmer den Morgen erwarten -
Weich geht der Nachtwind und seufzt und klagt,
Und ich folge hinaus, hinaus in die Nacht,
In den sommerduftenden Garten ...

Schwestern

Schilt nicht die reiche Frau,
Du armes Mädchen am Straßenrand,
Weil die beringte Hand
Sie prahlend trägt zur Schau -
Und neide ihr nicht die stolzen Rosse,
Die dich beflecken mit dem Schmutz der Gosse,
Sie trägt wie du die Last der Pflicht -
Ach, schilt sie nicht!

Und leert sie auch den Kelch der Freude
Bis auf den Grund
Und lacht ihr Mund -
Sie leert ihn doch nur sich zum Leide!
Trinkt eitlen Schaum
Und sitzt im goldenen Gitterhaus
Und möchte doch so weit hinaus -
Träumt schweren Traum
Des Nachts auf seidenweichem Bette
Und rüttelt an der goldenen Kette,
Bis hoch die Sonne tagt ...

Ach, schilt sie nicht!

Und trägt sie noch so stolz ihr Angesicht,
Sie ist nur eine Magd im Kleid von Seide,
Und hütet in der Freuden Mitte
Die Gänse der verlogenen Sitte
Auf dürrer Weide -

Ach, schilt sie nicht!
 

Zur Dämmerstunde war's

Zur Dämmerstunde war's,
Zur schlimmen Zeit -
Und deine Rosen dufteten im Zimmer,
Ins Fenster brach der letzte Abendschimmer -
Und meine Sehnsucht ging so weit.

Sie suchte dich -
Wie dufteten die Rosen!
Und lechzend barg ich mein Gesicht hinein
Und sog die süssen, süssen Düfte ein -
Wie fühlt' ich deine Wünsche mich umkosen!

O kämst du jetzt,
Wie würde ich dich lieben! ...
Ich ging und sperrte weit mein Fenster auf -
O Lust! da kamst die Strasse du herauf,
Von gleicher Sehnsucht zu mir hergetrieben.

Und wie im Traum blieb ich am Fenster stehn
Und nickte stumm - Du stürmtest in das Haus,
Breitetest schweigend deine Arme aus - -
Es musste sein - So ist es denn geschehn!
 

Wandlung

Da ist nun einer gekommen,
Mit dem ich nicht spielen kann;
Er hat mir mein Lachen genommen,
Ein stiller, ein schöner Mann.

Wenn mich die Andern umringen
Mit Scherzen und leerem Getu’,
Dann folgt er mit schweren Blicken
Und schweigt und lächelt dazu.

Wie ferner Blitze Leuchten
Trifft mich der mahnende Blick -
Ich fühle mein Wesen erzittern,
Als suche mich mein Geschick.

Ich hör' meine Stunde nahen
Und lausche mit zager Lust
Hinab auf ihr süßes Drängen
Tief innen in meiner Brust.

Uralte Weisen erklingen,
Umrauschen den bangen Sinn -
Wie ist es mir nur geschehen,
Dass ich nicht mein eigen bin?

Klopfet, so wird euch aufgetan

Siehe, ich steh' vor deiner Tür,
Lass mich ein!
Siehe, ich bring' meine Seele dir,
Sie ist dein.

Sieh meine Seele in großer Not,
Lass sie ein!
Lass sie nicht sterben den Hungertod,
Sie ist dein.

Siehe, sie bittet in heißem Flehn,
Lass sie ein!
Lass sie nicht bettelnd weitergehn,
Sie ist dein.

Gib ihr in deinen Armen Ruh,
Lass sie ein!
Du bist ihr Herr und Meister, du,
Sie ist dein.

Lass sie nicht bettelnd weitergehn,
Lass sie ein!
Du wirst für sie vor dem Richter stehn,
Sie ist dein!! ...

 

Warnung

Ach, gib mich frei und lass mich ziehen,
Du siehst, zu eng ist mir dein Haus,
Umsonst mein Ringen und mein Mühen -
Lass in die Freiheit mich hinaus!

Zwing mich nicht länger hier zu leben,
In dieser Welt so trüb und klein -
Ich kann ihr nichts, sie mir nichts geben,
Und Jedes grollt in bittrer Pein.

Hab' jung und unklug mich gebunden,
Kopfschüttelnd schau ich nun zurück;
Ich glaubte, als ich dich gefunden,
Ich stünde vor dem grossen Glück.

Und wusste nicht, als ich gegeben
Dir meine ganze Jugend hin,
Wie weit, wie gross, wie lang das Leben,
Wie wandelbar der Menschen Sinn.

Drum gib mich frei, noch eh' die Sünde
Mich mit den mächtigen Armen fasst,
Eh' ich zur schlimmen Stunde künde,
Dass du mich ganz verloren hast.

Ohne Gott

O Liebster, könnt' ich dir gehören
Vor aller Welt so stolz und rein,
Dürft' ich in Freiheit dir gewähren,
Was ich dir geb' von meinem Sein.

Was ich dir geb' an Leib und Seele,
Es hat ein Anderer daran teil,
Und dass ich's jenem Andern stehle,
Das wird uns nimmermehr zum Heil.

Ich muss der Wahrheit Tempel schänden,
In dem ich stets gebetet hab',
Und graben so mit eigenen Händen
Mir meiner süssen Liebe Grab.

Die andern Frauen können schreien
Zu Gott in ihrer höchsten Not -
Ich kann mir selber nur verzeihen,
Ich gab mir selber mein Gebot.

 

Ehe

Sie haben sich nichts zu sagen,
Sie sitzen still und stumm
Und hören die Stunden schlagen,
Die Langeweil' geht um.

Die Liebe ist längst gegangen,
Und auch das Glück ist hin,
Und hin ist das Verlangen
Mitsamt dem Jugendsinn.

Missmut sitzt ihm zur Seite,
Die Sehnsucht sitzt bei ihr,
Und traurig alle beide,
Ach, bis zu Tränen schier.

Keins bricht das tiefe Schweigen,
Kein Laut dringt in den Raum,
Nur schwere Seufzer steigen,
Verstohlen, hörbar kaum.

Und die Gewohnheit leise
Schwingt ihren Zauberstab
Und zwingt in ihre Kreise
Die beiden still hinab.
 

Friedlos

Wie
es mich reizt mit seinen Wonnen,
Wie es mich quält mit seinem Schmerz!
Wie müde, kaum dem Kampf entronnen,
Auf's neue wünscht mein friedlos Herz!

Und könnt' ich bis zum Himmel schweben,
Mich bergen in der Erde Schoss,
Den Frieden kann mir Keines geben,
Die Sehnsucht werd' ich nimmer los ...

Abschied

Hast mit heissem Kuss
Meinen Leib umfangen,
Doch der Seele bist
Du vorbeigegangen.

Und ich suchte wohl,
Suchte Deine Seele,
Dass zur Stunde sie
Meiner sich vermähle.

Doch du bargst sie mir
Unter dichten Schleiern,
Und du wolltest nicht
Diese Stunde feiern.

Sieh, nun ist es aus,
Meine Glut verglommen,
Meiner Liebe Tod
Ist so schnell gekommen.

Und nun muss ich gehn,
Von dir gehn und weinen,
Darf mich nie und nie
Dir in Liebe einen.

Kann dir nie und nie
Meinen Leib mehr geben, -
Meine Seele wird
Suchend weiterschweben ...

Ich lächle ihm zu

Ich lächle ihm zu, als wollt' ich sagen,
Dass seine Liebe mir gefällt;
Das giebt ihm Mut, den Schritt zu wagen,
Den keiner Sitte Macht mehr hält.

Er nimmt mir meine beiden Hände
Und hält sie fest mit langem Kuss,
Bis ich mich bebend von ihm wende
Und sage, dass er gehen muss.

Da leuchtet tief in seinen Blicken
Der heisse Glanz, der mich erschreckt -
Es wagt sein Auge auszudrücken,
Was ich erschauernd längst entdeckt.

Es zwingt mich dieses stumme Flehen,
Ich geb' mich hin dem starken Blick
Und fühl' mich langsam untergehen
In wunderseligem Liebesglück.

 

Er lockt mit heißen Blicken

Er lockt mit heißen Blicken
Und fleht mich traurig an -
Ich muss ihn von mir schicken,
Weil ich nicht anders kann.

Er drückt mit heißen Händen
Mir meine kalte Hand;
Ich kann es doch nicht wenden -
Ein Reif hält mich gebannt.

Er haucht mit heißem Flehen
Viel Süßes mir ins Ohr,
Doch nimmer darf's geschehen -
Behüt mich Gott davor!

Heimkehr

Leg, Mutter, deine arbeitsraue Hand
Nun auf die meine, gib ihr deinen Segen -
Sie streift jetzt ab Ruhm und Diamant
Und will in Fleiß die weißen Finger regen.

Dein gramdurchfurchtes Mutterangesicht
Hat lächelnd meinen letzten Schmerz bezwungen -
Nun will ich gehn und tragen meine Pflicht,
Bis ich des Lebens Krone mir errungen.

Und schreiten will ich mit erhobenem Haupt,
Ich hab' vollendet, habe überwunden -
Nun sollen Jene, die mich schwach geglaubt,
Mein Können sehn und meine starken Stunden!

An den Tod

Nun komm, du Einziger,
Großer, Stiller -
Ich liebe dich!

Ich bange nach dir
In langen schweren,
In tränenfeuchten,
Durchweinten Nächten -
Komm, küsse mich!

Du bist der Eine,
Der mir geblieben
Von allen Wünschen,
Von allen Küssen,
Von allen schweren
Brennenden Leiden -
Komm, liebe mich!

Du bist der Eine,
Den ich ersehne -
Sieh, wie ich harre,
In bangen Schmerzen
Mich weinend winde -
Komm, küsse mich!

Komm, neig dein schönes,
Dein schwarzgelocktes,
Dein stilles Haupt.
Ich will dich umschlingen
Mit weißen Armen,
Ich will mich bergen
An deine Brust,
Ich will dir alles
Und alles geben -
Komm, liebe mich!

Nimm meinen jungen,
Von tausend Wünschen
So heiß begehrten,
Nimm meinen Leib! ...
Nimm meines Herzens
Zehrendes Sehnen,
All meine Thronen,
All mein Ringen,
All meine große
Unüberwundene
Lodernde Lust -
Komm, liebe mich!

Sieh, wie ich kniee
Vor deinem Willen!
Sieh, wie ich weine
In brünstigem Flehn! ...
Neige dich, neige dich,
Großer, Stiller, -
Lass mich in deinem
Kusse vergehn! ...
 

Die Sünde

Wie ging sie mir lockend und lachend zur Seit',
Die Sünde in purpurrotem Kleid,
So lang', bis sie mich gefangen -
Dann wurde sie hässlich und frech und kahl
Und ist, als sie mir den Frieden stahl,
Hin zu einer Andern gegangen.

Dort fängt sie ihr Handwerk von neuem an,
Legt trügend die gleißenden Kleider an
Und leuchtet wie tausend Sonnen -
Ich seh sie von Seele zu Seele gehn
Und kann sie nicht halten, es muss geschehn,
Ihr furchtbar Spiel ist gewonnen.

Und ihr zur Seite, ein Schatten treu
Und unzertrennlich, - das ist die Reu'!
Vor der gibt es kein Entrinnen -
Sie wird dich finden beim Schlafengehn,
Des Morgens an deinem Bette stehn,
Mit dir den Tag zu beginnen.
 

Müde

Hab so wund gelaufen meine Füße
Auf dem weiten Wege nach dem Glück -
Lachend lief ich aus, um es zu suchen,
Schlich nach Haus mit tränenschwerem Blick.

Sah wohl wunderseltsam lichte Blumen,
Sah sie wohl an meinem Wege stehn,
Habe sie mit raschem Fuß zertreten,
Musste eilen, musste weitergehn.

Weitergehn, die eine nur zu finden,
Die in trügerischer Ferne winkt
Und mit ihren buhlerischen Düften
Unser Herz zur Schuld und Sünde zwingt.

Hab so wund gelaufen meine Füße
Auf dem weiten Wege nach dem Glück -
Lachend lief ich aus, um es zu suchen,
Kam so müde, kam so still zurück ...

Reue

Nun muss ich liegen und weinen
Die schweren Nächte lang,
Nur immer das Eine denken
Und seufzen tief und bang.

Es ist meine Sonne gesunken,
Es rauscht eine dunkle Flut,
Ich bin so müde geworden,
Gefallen mein hoher Mut.

Ich soll dem Einen folgen
Und kann nicht mit ihm gehn, -
Es bleibt die zage Seele
An des Hauses Schwelle stehn.

Mann und Weib

Du siehst den Schmerz nicht und die Tränen,
Das Zucken meiner Lippen nicht,
Du kannst dich frei und glücklich wähnen,
Wo mir das Herz vor Jammer bricht.

Du willst nicht meine Qual verstehen,
Nicht sehen, wie ich müde bin,
Mit dieser Last dahinzugehen,
Die du erträgst mit leichtem Sinn.

Du hast der Liebe Lohn bekommen,
Verrät es doch dein Siegerblick!
Ich hab' das Kreuz auf mich genommen
Und trage blutend mein Geschick.

Dir ward der Liebe Lust gegeben
Und mir die Qual - denn ich bin Weib!
Ich gab in Schmerzen neues Leben,
Da du in Lust umschlangst den Leib.

 

Toter Wunsch

O wärst du gekommen, da sie dich rief!
Du hättest die Rose gefunden - sie schlief
Und träumte und träumte die ganze Nacht -
O wärst du gekommen - sie wäre erwacht!

Wie wär' ihr so süß, so süß geschehn,
Und musste im eigenen Duft vergehn,
Und war doch so jung und heiß und rot -
O wärst du gekommen! ... Nun ist sie tot ...

 

Sommer

Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose -
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht -
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heissen Hand ...

Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -
Hörst du das Rauschen goldener Aehren?
Es geht der Sommer über's Land ...

 

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